Die Skt. Nikolaus- Kapelle
in Obermöllern
(Meller suberior, Obirmellir)

Pfarrdorf, 9,5 km westlich von Naumburg, gleichen
Alters und Schicksals wie Niedermöllern, wie denn
auch aus den Urkunden eine Unterscheidung beider
Orte selten möglich ist.

Die Kirche ist ein Neubau von 1856 in romanischem
Stil, 9,10 m mal 19,20 m, mit einem Westturm. Von der
älteren Ausstattung sind nur wenige Sachen gerettet.
Von einem spätgotischen Altarwerk zunächst 2
Figuren, Maria und Anna, sowie auf dem Dachboden
kleinere Figuren, Martin, Katharina, Maria und
Nikolaus.
Weiterhin wurde noch ein Kelch von spätgotischer
Form, ein kleiner Krankenkelch mit runder Kuppe auf
langem Stiel und eine Weinkanne aus Zinn gerettet.


Ein kurzer Bericht über den Umbau der Kapelle
in Obermöllern 1854
Im Jahr 1854 wurde die noch aus katholischer Zeit
stammende Kapelle in Folge eines Dekrets der
Königlichen Regierung zu Merseburg vom 22. August
1854 wegen Baufälligkeit geschlossen. Nachdem der
neu Bauplan entworfen wurde und die Königliche
Regierung zustimmte, begann man am 9. August 1855
die alte Kapelle einzureißen. Mitte Oktober war die
Kapelle vollständig abgerissen und somit konnte am
22. Oktober die Grundsteinlegung stattfinden.
In den Grundstein, welcher in der Mitte am Ostgiebel
liegt, wurde eine Pergamentrolle mit der Zeichnung
der alten Kirche eingelegt sowie ein Programm der
Feier, sämtliche Namen der zu dieser Zeit lebenden
Gemeindemitglieder Obermöllerns, einige Notizen und
Kupfermünzen. Am 12. Juli 1856 konnte die neue
Kirche fertiggestellt werden. Am 17. August 1856 sollte
der Turmknopf auf die Spitze des Turmes aufgesetzt
und Beifolgendes eingelegt werden.
Die Einweihung der Kapelle sollte am 10. November
1856 stattfinden.
Die Gemeinde Obermöllern, welche die Kosten des
Kapellenbaus allein getragen hatte, bestand im Jahre
1856 aus 139 Familienmitgliedern, welche 28 Häuser
bewohnt haben.
Im September 1946 wurde das defekte Turmdach der
Kapelle in Obermöllern neu gedeckt.

Im Jahr 1940 fanden viele Bombenangriffe statt, in
Obermöllern wurden jedoch nur Flurschäden
angerichtet. In den letzten Kriegsjahren gab es viele
unruhige Tage und Nächte durch das Überfliegen des
Dorfes durch feindliche Flieger auf naheliegende
Industriewerke. Am 11.04.1945 rückten amerikanische
Truppen kampflos in Obermöllern ein und bezogen
Quartier, wodurch manche Einwohner ihre Häuser für
die Nacht verlassen mussten oder eingeengt wurden.
Am folgenden Tag fuhren viele Tanks durch das Dorf,
die auf dem Vormarsch waren. Am 2.07 1946 wurde die
amerikanische Besatzung durch die rote Armee
abgelöst. Die Bauern mussten viele Abgaben machen
z.B. Getreide, Kartoffeln, Fleisch, Milch und Eier
mussten abgegeben werden.
Durch die Bombenangriffe auf die Großstädte kamen
viele Evakuierte aus Berlin und Köln nach Obermöllern.
Beim Rückzug in Rußland kamen auch noch viele
Flüchtlinge nach Obermöllern, so daß jedes Haus mit
einer und die größeren mit mehreren Familien belegt
waren. Nach Kriegsende wurden ausgewiesene
deutsche Familien aus Polen und der Tschechei im Dorf
untergebracht. Die Einwohnerzahl beträgt zu dieser
Zeit 248, von der 161 Personen Kernbevölkerung und
83 Personen Umsiedler waren.
Die Kirchturmreparatur 1946 war ein Teil des Neuauf-
baues in der Gemeinde, da alle kleinen Dach-
reparaturen während des Krieges wegen Leute- und
Materialmangel aufgeschoben werden mussten.
Aus der Gemeinde sind im 2. Weltkrieg 12 Personen
gefallen, 8 sind vermisst und 5 harrten noch in Kriegs-
gefangenschaft auf ihre Rückkehr in die Heimat.


Ereignisse in Obermöllern
Die Ausgrabungen in Obermöllern
Kirche in Obermöllern
In den Jahren als die Straße von Burgheßler nach
Obermöllern gebaut wurde, stieß man auf der Höhe
zwischen beiden Dörfern auf eine vorgeschichtliche
Begräbnisstätte, die den Aufschluß über die Besied-
lung dieser Gegend in der frühen Eisenzeit gibt.
Es handelt sich um Gräber aus einer Zeit, in der die
Verwendung der Bronze allmählich durch das Eisen
abgelöst wurde, so etwa um 1000 vor der Zeit-
rechnung.
Als Folge einer religiösen Ehrung übergaben diese
Menschen ihre Toten dem Feuer und setzten sie in
sogenannten Leichenbrand- Urnen bei.
Charakteristisch ist die Verzierung am Rande der Urne
durch Fingertupfeneindrücke. Die noch ansässigen
Menschen setzten jedoch ihre Toten unverbrannt in
Skelettgräber bei (vermutlich Kelten). Der Friedhof
enthält Brandgräber und Skelettgräber, also müssen
hier beide Völkersippen gleichzeitig gelebt haben.
Der Grabungsbericht führt nun 10 Gräber näher an :
Grab 1, war ein Hügelgrab, das in einer Steingrotte
zwei Gefäße mit Leichenbrand eines Erwachsenen
barg, indem ein kleines Stück verschmorte Bronze lag.
Die Platten des Grabes wurden an allen Seiten von
einer Steinpackung gehalten. Leider fehlte der Deck-
stein. Da sich das Grab nicht unter der Oberfläche
befand , ist es dem Zerfall zum Opfer gefallen. Der
Hügel war etwa 0,60m hoch und hatte wohl 16m im
Durchmesser. In diesem Grab wurde die Nordseite von
einer 4m langen Steinpackung eingefasst, unter der
sich ein Skelett in langgestreckter Lage befand. In
diesem Grab befanden sich an Schmucksachen und
Beigaben: 6 einfache, steigbügelförmige Armringe und
3 schildförmige Ohrringe, die zum Teil mit Rippen
versehen waren.
Westlich von diesem Hügel fand man ein weiteres
Skelettgrab, das einen Gürtelhaken, Armspiralen und
Fingerringe aus Bronze enthielt. Zwischen den Füßen
fand man ein kleines Gefäß mit zwei Henkeln und ein
Häufchen tierischen Leichenbrand, das vermutlich von
einem Lieblingstier stammte.
Grab 3 bestand nur aus einer frei in der Erde
stehenden Urne mit dem Leichenbrand eines Erwachs-
enen. In nächster Nähe wurde eine kleine Steinkiste
geöffnet, die 2 Urnen mit den Leichenbrand eines
Erwachsenen und eines Kindes beinhaltete.
Die Gräber 5, 6 und 7 bestanden aus freistehenden
Urnen mit Leichenbrand von Erwachsenen , deren
Ränder weisen Fingertupfenverzierungen auf.
Ein weiteres Grab enthielt Leichenbrand , der
ursprünglich in einem Beutel beigesetzt war. Zwei
schräg gelegte Steinplatten bargen diese Asche.
Ein weiteres Grab enthielt Reste eines Skeletts.
Östlich und westlich des Hügelgrabes befanden sich in
unmittelbarer Nähe noch zwei Skelettgräber, die sich
aufgrund des Schmuckes als Frauengräber auswiesen.
Im Jahre 1925 wurde bei Obermöllern ein weiteres
Gräberfeld gefunden. Es ordnet sich in den östlichen
Teil Altthüringens ein und wird wohl infolge seiner
Lage, auf einem Muschelkalkrücken, der nach allen
Seiten gute Sicht bot und das in der Nähe fließendes
Wasser war, ein wertvoller Siedlungsplatz gewesen
sein. Das eigentliche Gräberfeld, der Sitte nach
westlich der Ortschaft angelegt, also nach Sonnen-
untergang zu, hat eine Breite von 20m und weist 19
Bestattungen auf, war aber vermutlich größer.
Es handelt sich hier um gut erhaltene Skelettgräber.
Der Kopf liegt nach Westen, der Blick nach Westen.
Bemerkenswert ist, dass die Toten bei der Beerdigung
nach dem jeweiligen Aufgangspunkt der Sonne
ausgerichtet worden sind, wobei man die einzelnen
Jahresabschnitte feststellen kann.
Es lassen sich also die Beerdigungszeiten und
Abschnitte feststellen. Zur Aufnahme von Beigaben
hatten die Gräber oberhalb oder an den Füßen kleine
Nischen. Die Toten sind ohne Sarg bestattet, liegen in
unterschiedlicher Tiefe und waren bekleidet.
Es kamen auch Doppelbestattungen vor. Über 15 Jahr-
hunderte sind vergangen, seit die Toten hier in
Obermöllern in das Grab gelegt worden.
Die zahlreichen Funde aus den Gräberfeldern bei Ober-
möllern erzählen, dass schon in dem ersten Jahrhun-
dert der Zeitrechnung hier Menschen lebten, starben
und mit Achtung und Liebe in der Erde bestattet
wurden.
Die Glocken von Obermöllern
Obermöllern ist im Besitz von drei Glocken, die kleinste
und jüngste wurde jedoch im Weltkrieg eingefordert,
damit sie eingeschmolzen werden konnte. Sie entging
jedoch der Einschmelzung und wurde vom damaligen
Ortspfarrer auf dem Leipziger Ausstellungsgelände
entdeckt und nach Obermöllern zurückgebracht.
Die Glocken hängen nebeneinander im Turm, der mit
der Kirche zusammenhängt. Die größte der drei
Glocken ist sehr alt und hat eine nicht leserliche In-
schrift, es wird vermutet, dass die Glocke aus dem 14.
Jahrhundert stammt. Die Glocke besteht aus Bronze.
Leider ist diese Glocke am Tage der Revolution, am
Sonntag den 10. November, bei Beginn des Gottes-
dienstes zersprungen vorgefunden worden. Ein tiefer,
breiter Riss hat ihren wunderbar reinen Ton ver-
stummen lassen. Die Gemeinde hat bisher nicht die
Mittel aufbringen können, die Glocke schweißen oder
umgiesen zu lassen, obwohl es ein sehnsüchtiger
Wunsch ist, wieder die drei Glocken klingen zu hören.
Die mittlere Glocke ist ganz ohne Inschrift. Ebenfalls
aus Bronze, hat sie die Form eines Zuckerhutes und ist
deshalb in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzuordnen.
Die kleinste Glocke hat keinerlei Altertumswert. Sie ist
im Jahre 1903, wie die Umschrift besagt, gegossen
worden.

Benutzung der Glocken:
Am Sonnabend wird Abends um 16, 17 oder 18 Uhr (je
nach Jahreszeit) der Feiertag eingeläutet und zwar mit
beiden Glocken etwa 10 Minuten lang. Ebenso wird ein
Festtag eingeläutet. Der zweite Festtag dagegen wird
am frühen Nachmittag des ersten Festtags etwa um 2
oder 3 eingeläutet. Zu Gottesdiensten wird eine Stunde
vor Beginn geläutet, außerdem zu Beginn des Gottes-
dienstes. Am Schluss wird dreimal ,,angeschlagen".
Es wird geläutet mit einem Seil durch Menschenkraft
und angeschlagen mit dem Klöppel.
Die Glocke von Obermöllern
Für die Gefallenen des
1. Weltkrieges wird in
Obermöllern 1922 ein
Kriegerdenkmal er-
richtet.
Skelettgräber bei Obermöllern
Grabschmuck
Steingrab
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